Um die Gesundheit von schwangeren Frauen, Müttern und Kindern maßgeblich zu verbessern, empfahl die Gesundheitskonferenz 2007 die Umsetzung des „Aktionsprogramms GEsunder Start ins Leben“. Vor dem Hintergrund einer überdurchschnittlich hohen Säuglingssterblichkeit ist es übergeordnetes Ziel der einzelnen Maßnahmen, die Frühgeburtenrate und den Plötzlichen Säuglingstod (SIDS) zu reduzieren.
Kontinuierlicher Rückgang der Säuglingssterblichkeit
Da die Zufallsschwankungen bei der Säuglingssterblichkeit auf der kommunalen Ebene wegen der geringen Quoten sehr hoch sind, werden in der Gesundheitsberichterstattung sog. 3-Jahres-Mittelwerte gebildet, um durch eine Gesamtbetrachtung bessere Abschätzungen zu erhalten. Für den Zeitraum 2008-2010 ergibt sich für Gelsenkirchen eine durchschnittliche Quote über 6,8‰. Im Vergleich zum Mittelwert für die Jahre 2004-2006, der 8,3‰ betrug, ist damit ein kontinuierlicher Rückgang in den letzen Jahren erkennbar.
Tabelle: Säuglingssterblichkeit im Vergleich der Mittelwerte
| 2004-2006 | 2006-2008 | 2008-2010 |
| Durchschnittlicher Mittelwert Säuglingssterblichkeit | 8,3‰ | 7‰ | 6,8‰ |
Aus den vorhandenen Daten lässt sich schließen, dass Gelsenkirchen sich auf dem richtigen Weg befindet, da die im Rahmen des „Aktionsprogramms GEsunder Start ins Leben“ angestoßenen Maßnahmen und Projekte sich als effektiv erwiesen haben. Wichtige Basis hierfür ist die interdisziplinäre und ressortübergreifende Kooperation aller beteiligten Expertinnen und Experten im Netzwerk GEsunder Start ins Leben. Das Netzwerk entwickelte o. g. Maßnahmenkatalog, der nach wie vor von allen Beteiligten getragen und begleitet wird. Durch die enge Verzahnung der örtlichen Einrichtungen und Professionen wurde eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen zur Senkung der Säuglingssterblichkeit geschaffen.
Das Netzwerk setzt sich zusammen aus Vertreter/innen der niedergelassene Gynäkolog/innen und Kinderärzt/innen, Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Familienzentren, aller Gelsenkirchener Geburts- und Kinderkliniken, den Referaten Erziehung und Bildung sowie Gesundheit und der „Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod e.V.“
Das Netzwerk "GEsunder Start ins Leben" ist Preisträger des "Gesundheitspreises NRW 2010". Weitere Informationen finden Sie hier.
Da Frühgeborene eine besonders hohe Mortalität aufweisen, sind bei der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit insbesondere diejenigen Maßnahmen von Bedeutung, die sich auf die vorgeburtliche Phase beziehen. Hierzu gehören die Reduzierung des Nikotinkonsums, Ernährungsberatung und die Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchungen insbes. in der Frühschwangerschaft, die eine Früherkennung und Behandlung von Infektionen und weiteren gesundheitlichen Problemen ermöglichen. Durch den verstärkten Einsatz von Familienhebammen, mehrsprachige Informationsveranstaltungen (Projekt „MiMi -Mit Migranten für Migranten“), Fortbildung von MultiplikatorInnen und durch die kostenlose Vergabe von Medikamenten in gynäkologischen Praxen wurden in Gelsenkirchen wichtige Grundlagen zur Senkung der Frühgeburtenrate geschaffen.
Die zentralen Probleme bei der Säuglingssterblichkeit sind nicht nur medizinischer Art, sondern auch sozial bedingt. Da vorhandene Unterstützungsangebote sozial benachteiligte Familien und bestimmte Migrantengruppen häufig nicht erreichen, hat sich ein zielgruppenorientierter Handlungsansatz, der die genannten Risikogruppen direkt in ihrem Lebensumfeld durch aufsuchende - bei Bedarf kultursensible - Angebote anspricht, bewährt. Zu nennen sind auch hier die Familienhebammen und die Projekte „MiMi“ sowie „Aufsuchende Betreuung von schwangeren Migrantinnen“. Um wichtige Angebote wie Schwangerschaftsvorsorge frühzeitig an neu eingereiste MigrantInnen zu vermitteln, wurde zwischen dem Referat Gesundheit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vereinbart, dass - in Kooperation mit dem Projekt „MiMi“- gesundheitsbezogene Themen zukünftig in Integrationskursen behandelt werden.
1. Frühe Intervention und Hilfen durch den Einsatz von zwei weiteren
Familienhebammen im Referat Gesundheit
Schwangere Frauen, Mütter und ihre Säuglinge, die besonderen gesundheitlichen und psychosozialen Risiken ausgesetzt sind, werden in Gelsenkirchen nun verstärkt durch aufsuchende lebenspraktische Hilfen von Familienhebammen unterstützt, um Überforderungssituationen frühzeitig zu verhindern und damit die Risiken für eine Frühgeburt bzw. für eine Kindesvernachlässigung zu minimieren. Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise Suchtprobleme, psychische Auffälligkeiten oder Krankheiten der Eltern, frühe bzw. ungewollte Schwangerschaft, familiäre Konflikte und Gewalt, ein niedriger sozioökonomischer Status, Migrationshintergrund, Entwicklungsauffälligkeiten des Kindes, etc.
Weitere Informationen finden Sie hier.
2. Mehrsprachige Informationsveranstaltungen
Im Rahmen des Projektes „Mit Migranten für Migranten“ (MiMi) wurden engagierte Migrant/innen als interkulturelle Gesundheitsmediator/innen gewonnen und geschult. Diese informieren ihre Landsleute in der jeweiligen Muttersprache über das deutsche Gesundheitssystem sowie über weitere gesundheitliche Themen. In diesem Zusammenhang werden derzeitig verstärkt Informationsveranstaltungen zum Thema „Schwangerschaftsvorsorge“ angeboten, um die Inanspruchnahme der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen durch Migrantinnen zu erhöhen.
MiMi-Flyer
3. Aufsuchende Betreuung von schwangeren Migrantinnen
Vor dem Hintergrund einer überdurchschnittlich hohen Säuglingssterblichkeit bei Kindern türkischer Nationalität geht es hierbei um die Ausweitung des Gesundheitsprojektes „MiMi - Mit Migranten für Migranten“, indem ausgewählte Gesundheitsmediatorinnen ergänzend zu ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld Hausbesuche bei schwangeren Migrantinnen, die einen Unterstützungsbedarf haben, durchführen. Damit soll gewährleistet werden, dass Migrantinnen lebenspraktische Unterstützung erhalten und gezielt an das hiesige Gesundheitssystem herangeführt werden, z.B. durch die Teilnahme an Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen. Die Tätigkeit erfolgt in enger Kooperation mit den Familienhebammen des Referates Gesundheit (s. o.). Weitere Informationen finden Sie hier.
4. Reduzierung der Frühgeburtenrate durch Screening von Infektionen
Durch gezieltes Screening und Behandlung von Vaginalinfektionen kann die Frühgeburtenrate, die mit einer höheren Säuglingssterblichkeit einhergeht, signifikant verringert werden. Hierzu können entzündungshemmende Scheidenzäpfchen angewandt werden, die jedoch nicht mehr verordnungsfähig sind. Auf Initiative des Berufsverbandes der Frauenärzte wurde mit einer Pharmafirma eine Sondervereinbarung für Gelsenkirchen getroffen. Sie beinhaltet, dass die Firma den niedergelassenen Gynäkolog/innen ein entsprechendes Medikament für einkommensschwache Frauen kostenlos zur Verfügung stellt. Ziel ist es, durch die kostenlose Vergabe die Bereitschaft, dieses Medikament anzuwenden zu erhöhen und damit einen Rückgang des Anteils an Frühgeburten, die durch Scheideninfektionen ausgelöst sind, zu erreichen.
5. Handlungsstrategien gegen Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft
Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft gefährden die Gesundheit von Mutter und Kind ganz erheblich. So erhöhen sich allein durch das Rauchen die Risiken für eine Frühgeburt um ein Vielfaches. Bereits der Genuss von kleineren Alkoholmengen kann irreversible Schädigungen beim Fötus hervorrufen. Im Rahmen von Fortbildungsmaßnahmen wurden daher Multiplikatorenschulungen durchgeführt. Ziel ist es, den Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft zu senken und damit die Frühgeburtenrate zu reduzieren.
6. Jedem Baby einen Schlafsack!
Die Nutzung von Babyschlafsäcken gehört zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen den Plötzlichen Säuglingstod. Um eine breite Inanspruchnahme zu erreichen, startete das Netzwerk 2009 die Aktion „Jedem Baby einen Schlafsack“. Seitdem erhalten alle Eltern bei der Entlassung aus der Geburtsklinik einen hochwertigen Babyschlafsack als Geschenk. Die Maßnahme konnte durch eine großzügige Spende der Sparkasse Gelsenkirchen initiiert werden und wird erfreulicherweise von allen Gelsenkirchener Geburtskliniken fortgeführt.
Darüber hinaus gehört die Nutzung von Babyschlafsäcken innerhalb der Neugeborenen-stationen inzwischen zum Standard. Damit erfüllen die Kliniken eine wichtige Vorbildfunktion für die Eltern.
7. Stillkampagne als gesundheitsfördernde Maßnahme für
Mutter und Kind
Zu den einzelnen Maßnahmen der Stillkampagne zählt die Vergabe des Labels „BABYFREUNDLICH wird bei uns groß geschrieben!“ als Anreiz für Gaststätten und Hotels, ein babyfreundliches Signal zu setzen und damit einen wichtigen Beitrag zur Familienfreundlichkeit in Gelsenkirchen zu leisten.
Nähere Informationen und eine Auflistung der bisher beteiligten Gastronomiebetriebe finden Sie hier.
Für interessierte Gastronomie- und Hotelbetriebe steht ein Antragsformular als pdf-Datei zur Verfügung. Dieses kann am Bildschirm ausgefüllt und anschließend ausgedruckt werden.
