Nachlese zur Eröffnung am Sonntag, 23. April 2006

Buersche Zeitung (Buer und Gelsenkirchen), Montag, 24. April 2006 (Autor: Christiane Schmidt):
Relikte einer vergangenen Zeit
BISMARCK: „Sammlung Werner Thiel“ präsentiert dauerhaft Bergbau-Geschichte
[…] Es gibt wohl kaum einen besseren Platz als das Nördliche Maschinenhaus der ehemaligen Zeche Consolidation in Bismarck, um die Kunstinstallation „Sammlung Werner Thiel“ zu präsentieren.
In diesem gelungenen Ambiente hatten sich dann am Sonntag Vertreter aus Politik und Kultur und Familienangehörige des im Jahr 2003 verstorbenen Werner Thiels versammelt, um die Eröffnung der ständigen Ausstellung zu feiern. […]
Und das, was in der Dauerausstellung zu sehen ist, besticht vor allem durch Masse und die Akribie, mit der Thiel die Exponate zusammen getragen hat. Meterlange Kaskaden aus Arbeitsschuhen, Helmen und Zechenkleidung hängen von der Decke des Maschinenhauses, allein schon die unglaubliche Anzahl der Bergwerks-Relikte ist beeindruckend. […]
Schwarz-Weiß-Fotos aus Zeiten florierender Kohle- und Stahlindustrie zieren die Wände […], darunter türmt sich das auf, was auf den sterbenden Zechen nicht mehr gebraucht wurde und von ihnen übrig blieb. Hinweisschilder aus den Bergwerksstollen, tausende Schrauben, Ketten und Elektronikgerät - mit dieser Ausstellung wird Werner Thiel in Zukunft zu Recht als „Archivar des Reviers“ gelten.
Die Ausstellung begeistert vor allem durch die Vielfalt der Exponate, ordentlich ist alles nach Sparten und Themen geordnet. Teilweise hätte man allerdings mit Beschriftungen und Erklärungen weiterhelfen müssen. So bleibt gerade dem unbedarften Besucher, der nicht eingefahren oder mit der Zechenkultur vertraut ist, oft nur, über das, was er da vor sich hat, zu rätseln. „Etwas kryptisch“, das war daher auch der Kommentar einer Besucherin der Ausstellung.
Sinnbildlich sind die tausenden Uhren und Chronometer, die Thiel gesammelt hat. Auf allen ist die Zeit längst stehen geblieben.
WAZ (Gelsenkirchen), Montag, 24. April 2006 (Autor: HJL/Hans Jörg Loskill):
Phönix steigt aus Consol-Asche
Sammlung Werner Thiel in der Maschinenhalle Nord in Bismarck nach jahrelanger Umbau- und Einrichtungszeit eröffnet: ein Wahr- und Mahnzeichen
Wie ein Menetekel über den Verlust bergmännischen Lebens in Gelsenkirchen baut sich das großformatige Wandobjekt auf: eine Riesenhand aus gebrauchten Handschuhen. Es mahnt daran, an die zu denken, die unter Tage arbeiteten, die ihr Leben riskierten, die das schwarze Gold 150 Jahr hier förderten. […]
Die Handschuh-Metapher gehört zu den Blickfängen in der nördlichen Maschinenhalle auf dem Consol-Areal […]. Das Haus: Industrie-, Strukturwandel-, Kultur-, Wahr- und Mahn-Zeichen, geschaffen aus dem Geist und der Ästhetik eines immer noch in seiner Bedeutungskraft für Region und Industriekultur unterschätzten, dennoch international anerkannten Künstlers. […]
Mittel des Landesfonds’ „Soziale Stadt NRW“ flossen in den Umbau und die Einrichtung diese „Inszenierung“, die von Oberbürgermeister Frank Baranowski im Beisein vieler Gäste mit Dank an die Verantwortlichen und mit Hoffnung auf eine neue magische Tourismus-Stätte am Sonntag eröffnet wurde. […]
Prof. Ferdinand Ullrich (Kunsthalle Recklinghausen) nannte Thiel in einer Reihe mit den Bechers und Renger-Patzsch - den großen Fotografen der medialen Dokumentation über das Ruhrgebiet und industrielles Milieu. Ullrich: „Hier wird keine Nostalgie aufbereitet. Fotografien und Objekte erzählen Geschichten von Menschen und Orten, aber sie sind in eine ästhetische Qualität übersetzt worden.“ Thiels Werke zeugten vom „Bruch mit der Wirklichkeit“: Kriterium für Kunst. […]
Körbe, Kräne, Sägeblätter, Lampen, Drähte, Schläuche, Scheiben, Spaten, Haken, Ölkannen, Hämmer - sie alle sind ihrer früheren Funktion beraubt. Die Installation nebst Fotofries wirkt wie ein Phönix, der aus der Ruinenasche einst lodernder Kohleproduktion steigt. Thiels Kunst lebt im Strukturwandel wieder auf.
| Schnappschüsse von der Eröffnung |
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Oberbürgermeister Frank Baranowski | Eröffnungspublikum | Prof. Dr. Ferdinand Ullrich |
Redaktion: Referat Kultur